Pendeln in strukturschwachen Gebieten

Pendler in einer Straßenbahn Wer täglich pendelt, braucht Geduld

Millionen Arbeitnehmer in Deutschland nehmen täglich eine lange Anreise zu ihrem Arbeitsplatz auf sich. Im Durchschnitt pendeln sie jeden Tag zwei Stunden. Sie wohnen aus unterschiedlichen Gründen in strukturschwächeren Gegenden mit geringem Arbeitsplatzangebot. Die Bereitschaft, für den weit entfernten Arbeitsplatz zu pendeln, wird mit meist hoher Lebensqualität am Wohnort und steuerlichen Vergünstigungen belohnt. Doch nicht für alle macht der Spagat zwischen Wohnort und Arbeitsort Sinn.

Leben auf dem Land, arbeiten in der Stadt

Hohe Grundstückspreise in den Ballungszentren lassen für viele Familien den Traum vom Eigenheim in unerreichbare Ferne rücken. Wer aber bereit ist, in entfernter liegende Gemeinden zu ziehen, findet dort häufig erschwingliche gebrauchte Immobilien, bezahlbares Bauland und günstige Mieten. In der Regel ist in ländlichen und strukturschwächeren Gegenden das Angebot an Arbeitsplätzen gering. Der Umzug aufs Land bedeutet somit für Arbeitnehmer eine mitunter lange Anreise zu ihrem Job in die nächst größere Stadt. Dieses Lebensmodell verwirklichen vor allem junge Familien, die in der ländlichen Region ihre Wohnwünsche eher umsetzen können als in der Stadt.

Pendeln mit PKW oder Bahn

Oftmals bedeutet das Wohnen in einer strukturschwachen Region auch eine schlechte Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr. Der nächste Bahnhof kann etliche Kilometer weit entfernt liegen. Die Fahrt zum Arbeitsplatz mit der Bahn wird leicht zum stundenlangen Abenteuer, wenn der Fahrplan nur wenige Zugeinsätze pro Tag und eine schlechte Anbindung an die Ballungszentren hergibt. Sind die Verbindungen aber gut, ist die Bahnfahrt eine gute und umweltfreundliche Alternative zur Anreise mit dem Auto.

Wo die Fahrt zur Arbeit nur mit dem eigenen PKW bewältigt werden kann, brauchen Arbeitnehmer gute Nerven. Zur Vermeidung der schlimmsten Staus empfiehlt es sich, antizyklisch zu fahren. Bei flexiblen Arbeitszeiten fährt der Pendler erst bei Abklingen der Morgenstaus los. Entsprechend spät macht er sich abends erst nach dem großen Feierabendverkehr wieder auf den Heimweg.

Finanzspritze Pendlerpauschale

Über die Pendlerpauschale können Arbeitnehmer einen Teil ihrer Fahrtkosten bei der jährlichen Steuererklärung geltend machen. Pro Kilometer Fahrtstrecke erkennt das Finanzamt 30 Cent an. Es darf nur die einfache Strecke eingesetzt werden. Grundsätzlich erkennt das Finanzamt dabei 230 Arbeitstage im Jahr an. Die Berücksichtigung der Entfernungspauschale erfolgt rückwirkend mit der Steuererklärung für das komplette abgelaufene Jahr. Es spielt dabei keine Rolle, ob der Pendler mit dem eigenen Auto oder mit Bus und Bahn zur Arbeit fährt.

Fahrgemeinschaften bilden und Kosten teilen

Um die tägliche Abnutzung des eigenen Fahrzeugs und die Spritkosten zu senken, finden sich in strukturschwächeren Regionen Fahrgemeinschaften zusammen. In der Nähe der Autobahnauffahrten gibt es häufig entsprechende Parkplätze, auf denen sich die Mitfahrer treffen. Ein unregelmäßiges Angebot für Mitfahrer kann über diverse Apps oder Foren von Mitfahrzentralen veröffentlicht werden. Auf diese Weise reduzieren sich die Fahrtkosten für jeden Berufspendler und die Umwelt wird weniger belastet, da weniger Einzelfahrzeuge unterwegs sind.

Beteiligung des Arbeitgebers

Begehrte Fachkräfte haben in Zeiten des Fachkräftemangels gute Chancen auf eine gewisse Unterstützung ihres Arbeitgebers, wenn das Pendeln zum Arbeitsort erleichtert werden kann. Neben der Einrichtung flexibler Arbeitszeiten oder Homeoffice-Tagen bieten viele Chefs ihren Mitarbeitern weitere Benefits, um sie an das Unternehmen zu binden und den Reiseweg zum Job attraktiver zu machen.

Der Dienstwagen, den der Arbeitnehmer auch privat nutzen darf, ist ein begehrtes Angebot, das viele Pendler in Anspruch nehmen. Die steuerliche Einordnung des Dienstwagens kann unterschiedlich geregelt werden und sollte im Einzelfall mit dem Steuerberater abgestimmt werden.

Mit einem allgemeinen Fahrkostenzuschuss, der Teilnahme an vergünstigten Jobtickets oder der Bereitstellung einer Bahncard verringern Unternehmen ebenfalls die finanzielle Belastung ihrer Pendler.

Viele Faktoren bestimmen die Entscheidung

Lebensqualität auf dem Land definiert sich vor allem über die Nähe zur Natur mit entsprechenden Freizeitaktivitäten. Kulturelle Einrichtungen wie Theater, Kino und Museum finden sich hier nicht direkt vor der Haustür. Wer das pulsierende Stadtleben fürs Wohlbefinden braucht, kann wenig mit dörflicher Beschaulichkeit anfangen.

Das Pendeln betrifft nicht nur Arbeitnehmer. Auch wer daheim den Haushalt führt, muss mobil sein. Mit dem Umzug aufs Land sollte die Bereitschaft bestehen, täglich weite Anfahrten zum Einkauf, zur Schule oder zum Arzt auf sich zu nehmen. Das schulische Angebot oder Möglichkeiten der Kinderbetreuung sind je nach Gemeinden nur eingeschränkt vorhanden. Die medizinische Versorgung ist häufig nicht flächendeckend gegeben. In vielen Gemeinden werden solche Defizite durch soziale Netzwerke und Nachbarschaftshilfe ausgeglichen. In Orten mit einem regen Vereinsleben und aktiven Kirchengemeinden haben Zugezogene besonders gute Chancen, sich zu integrieren und von den örtlichen Sozialstrukturen zu profitieren.

Vor einer Entscheidung für oder gegen das Wohnen in der strukturschwachen Region sollten alle Argumente genau gegeneinander abgewogen werden. Dem günstigen und meist großzügigen Wohnraum muss der Pendler hohe Fahrtkosten und ein großes Stresslevel gegenüberstellen.

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