Krankschreibungen im Arbeitsverhältnis

eine kranke Frau geht nicht arbeiten Wer krank ist, muss sich auf der Arbeit krank melden.

Als Arbeitnehmer sind Sie sicher auch schon in der Situation gewesen, dass Sie arbeitsunfähig erkrankt waren und sich gefragt haben, wann und auf welchem Weg Sie den Arbeitgeber über die Erkrankung und das Fernbleiben von der Arbeit rechtssicher informieren müssen, damit Ihnen keine rechtlichen Konsequenzen in ihrem Arbeitsverhältnis drohen, die im schlimmsten Fall mit einer existenzbedrohenden Kündigung enden könnten. Gerade im Arbeitsrecht gibt es viele falsche Informationen, die die Krankmeldung und Krankschreibung betreffen. Die Folge können Abmahnungen, Gehaltseinbußen, Verlust des Krankengeldes oder auch die fristlose und fristgerechte Kündigung sein. Sie sollten sich auf jeden Fall gründlich informieren und die gesetzlichen und arbeitsvertraglichen Vorschriften absolut korrekt einhalten, um auch im Krankheitsfall arbeits- und sozialrechtlich auf der sicheren Seite zu sein.

Die Feststellung der AU und Mitteilung an den Arbeitgeber

Ihre wichtigste Pflicht ist zunächst, Ihren Arbeitgeber im Krankheitsfall von der Arbeitsunfähigkeit in Kenntnis zu setzen. Der Gesetzgeber hat dieses in §5 Entgeltfortzahlungsgesetz genau festgelegt, indem er eine „unverzügliche“ Mitteilung an den Arbeitgeber hineingeschrieben hat. Das bedeutet in der Praxis, dass Sie, sobald Sie wissen, dass Sie an dem betreffenden Tag nicht zur Arbeit gehen können, den Chef davon informieren müssen. Der Weg der Mitteilung steht Ihnen frei. Sie können Telefon, Fax, Email oder auch SMS wählen. Evtl. regelt der Arbeitsvertrag das genau. Grundsätzlich sollten Sie immer auch im Arbeitsvertrag nachsehen, ob es vom Gesetz abweichende Regelungen gibt, die Sie mit dem Arbeitgeber vereinbart haben und die Sie in der Regel einhalten müssen, wenn diese gesetzeskonform sind. Weiterhin muss Sie Ihr Hausarzt oder Facharzt krankschreiben. Der Gesetzgeber sieht vor, dass Sie spätestens am vierten Tag eine Krankschreibung bei Ihrem Arbeitgeber vorlegen müssen. Theoretisch könnten Sie also auch die ersten drei Tage ohne Arztbesuch und Krankschreibung zuhause bleiben, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. Aber Vorsicht! – viele Arbeitsverträge sehen auch die Pflicht zur Krankschreibung ab dem ersten Tag vor. Um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, sollten Sie daher auf jeden Fall Ihren Arbeitsvertrag als Regel für die Krankschreibung nehmen. Sie brauchen übrigens nicht zu befürchten, dass Ihr Arbeitgeber die Diagnose also den Grund der Krankschreibung erfährt. Sie übersenden dem Arbeitgeber nur den Teil der dreiteiligen AU, der keine Angaben zur Diagnose enthält. Nur bei längerer AU-Dauer kann der Arbeitgeber unter Umständen einen Anspruch auf zumindest eine voraussichtliche Dauer der AU haben, aber das wäre im Einzelfall zu entscheiden. Eine Ausfertigung der Krankschreibung müssen Sie zeitnah der Krankenkasse zuleiten. Dieses Blatt enthält die Diagnose – allerdings darf die Krankenkasse aus Datenschutzgründen diese Diagnose Ihrem Arbeitgeber auch auf etwaige Nachfrage nicht mitteilen.

Krankmeldung im Urlaub und Rückwirkung

Auch aus dem Urlaub heraus können und müssen Sie sich unverzüglich krankmelden. Das muss dann auch ein Arzt vor Ort oder Ihr Hausarzt bescheinigen. Sie haben einen gesetzlichen Urlaubsanspruch, der durch Krankheit an diesen Tagen nicht verbraucht wird. Sie können sich die K-Tage also quasi erneut als Urlaub nachgewähren lassen. Zweck ist es, gesund den Erholungscharakter des Urlaubs nutzen zu können. Sie dürfen aber niemals eigenmächtig Krankheitstage im Urlaub durch Verlängerung nutzen – das wäre ein Kündigungsgrund. Grundsätzlich dürfen Krankschreibungen nicht rückwirkend ausgestellt werden. Das gilt auch für einen Urlaub im Ausland. Daher müssten Sie sofort dort vor Ort die AU durch einen ausländischen Arzt feststellen lassen.

Abmahnung, fristlose und fristgerechte Kündigung

Zuspäte oder nicht eingereichte, also unentschuldigte Fehlzeiten wegen Krankheit können zu ernsthaften Konsequenzen in Ihrem Arbeitsverhältnis führen. Das gilt natürlich auch für eigenmächtig verlängerte Urlaubszeit. Eine (erstmalige) Abmahnung hat noch keine schwerwiegenden Konsequenzen für Ihr Arbeitsverhältnis. Aber bei mehrmaligen oder extrem schwerwiegenden Verstössen kommt sogar eine fristlose Kündigung in Betracht. Sie können eine solche Kündigung zwar in manchen Fällen vor dem Arbeitsgericht noch in eine fristgerechte Kündigung umwandeln, was Ihnen aber auch das Arbeitsverhältnis nicht rettet. Sie haben dann nur mehr Zeit für die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz und einen besseren Status im Arbeitszeugnis / Lebenslauf. Auch eine Abfindung ist dann vor Gericht eher wahrscheinlich, wenn das Arbeitsverhältnis so zerüttet ist, dass die Weiterbeschäftigung für beide Seiten unzumutbar wäre.

Wichtige Neuregelung – Lücken

Der Gesetzgeber hat eine „Nahtlosregelung“ getroffen, die häufige Lücken in der AU beseitigt hat. Wenn eine Krankschreibung an einem Freitag endet, reicht es jetzt aus, erst am nächsten Werktag (Montag) eine Folgekrankschreibung ausstellen zu lassen. In der Vergangenheit kam es oft zu Lücken, die zum Beispiel zu einem Verlust von Krankengeld und der Mitgliedschaft in der Krankenkasse führen konnten, wenn eine AU am Freitag endete und nicht am selben Tag eine Verlängerung erfolgte. Weil die AU am Montag darauf nicht rückwirkend erfolgen durfte, fehlten der Samstag und Sonntag in der AU, was das Problem auslöste.

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