Ausbildungsvergütung – große Unterschiede zwischen den Berufsgruppen

Schreiner-Azubi Auch im Handwerk schwanken die Ausbildungsvergütungen stark

Bei der Entscheidung für einen Ausbildungsberuf taucht unweigerlich auch die Frage nach den Verdienstmöglichkeiten auf. Obwohl die Bezahlung nicht das ausschlaggebende Kriterium für die Berufswahl sein sollte, ist es ratsam, vor der Berufsentscheidung, einen Blick auf die jeweiligen Ausbildungsvergütungen und die späteren Verdienstmöglichkeiten zu werfen. Immerhin muss mit der Vergütung zukünftig der Lebensunterhalt bestritten werden.

Die Höhe der Ausbildungsvergütung richtet sich in der Regel nach der Branche, der Region und danach ob ein Tarifvertrag existiert. In den alten Bundesländern verdienen Auszubildende beispielsweise auch heute noch etwas mehr als in den neuen Ländern.

In welchem Ausbildungsberuf verdient man am meisten?

Mit Ausbildungsvergütungen von über 1.000 Euro, die bereits im ersten Ausbildungsjahr gezahlt werden, punkten die Berufe Elektroniker, Mechaniker und Bankkaufmann. Trotz der hohen Vergütung mangelt es aber insbesondere in den technischen Berufen massiv an Nachwuchs.

Elektroniker – Spezialisten für elektronische Geräte und Systeme

Die Ausbildung zum Elektroniker ist möglich in den Fachrichtungen: Geräte und Systeme, Informations- und Systemtechnik, Gebäude- und Infrastruktursysteme, Maschinen- und Antriebstechnik, Betriebstechnik oder Automatisierungstechnik. Unabhängig von der Spezialisierung dauert die Ausbildung 3,5 Jahre.

  1. Ausbildungsjahr: 640 – 1017 Euro (*1)
  2. Ausbildungsjahr: 690 – 1061 Euro
  3. Ausbildungsjahr: 740 – 1150 Euro
  4. Ausbildungsjahr: 790 – 1206 Euro

Im ersten Ausbildungsjahr wird eine durchschnittliche Vergütung von bis zu 1.017 Euro gezahlt. Nach der Ausbildung sind Gehälter ab 2.500 Euro brutto (*2) realistisch.

Mechaniker – Bauteile und Maschinen bauen, warten und pflegen

Auch für Mechaniker sind vielfältige Spezialisierungen möglich. Insbesondere Fertigungsmechaniker, Fluggerätemechaniker, Industriemechaniker, Gießereimechaniker oder Werkzeugmechaniker verdienen im ersten Ausbildungsjahr bereits mehr als 1.000 Euro.

  1. Ausbildungsjahr: 682 – 1018 Euro
  2. Ausbildungsjahr: 714 – 1062 Euro
  3. Ausbildungsjahr: 782 – 1152 Euro
  4. Ausbildungsjahr: 827 – 1215 Euro

Die Ausbildung dauert 3,5 Jahre. Nach Abschluss der Ausbildung erwarten die ausgebildeten Fachkräfte Einstiegsgehälter in Höhe von durchschnittlich 2.000 Euro brutto.

Bankkaufmann – Experten rund um’s Geld

Im ersten Ausbildungsjahr erhalten Bankkaufleute eine durchschnittliche Vergütung in Höhe von 990 Euro. Wer die 3-jährige Ausbildung erfolgreich beendet, kann mit Einstiegsgehältern um 2.500 Euro rechnen.

  1. Ausbildungsjahr: 990 Euro
  2. Ausbildungsjahr: 1047 Euro
  3. Ausbildungsjahr: 1109 Euro

In welchen Ausbildungsberufen verdient man am wenigsten?

Am wenigsten verdienen Auszubildende im Friseurhandwerk, gefolgt von den Raumausstattern und Schornsteinfegern.

Friseure – waschen, schneiden, pflegen

In diesem durchaus anspruchsvollen Ausbildungsberuf verdienen Auszubildende im ersten Ausbildungsjahr nur rund 500 Euro. In den neuen Bundesländern ist es sogar noch weniger: durchschnittlich 325 Euro hat ein Azubi hier zur Verfügung.

  1. Ausbildungsjahr: 325 – 498 Euro
  2. Ausbildungsjahr: 390 – 598 Euro
  3. Ausbildungsjahr: 445 – 721 Euro

Die Ausbildung dauert 3 Jahre und auch nach Abschluss der Ausbildung sind die Verdienstaussichten eher gering. Die Einstiegsgehälter für Friseure liegen bei 1.500 Euro.

Schornsteinfeger – Fachleute für Heizungsanlagen und Brandschutz

Schornsteinfeger kümmern sich nicht nur um die Reinigung von Lüftungs- und Abgasanlagen, sondern sind auch Ansprechpartner bei Fragen zu Energieeffizienz sowie zu Brand- und Klimaschutz. Die Vergütung ist gering und beträgt im ersten Ausbildungsjahr nur durchschnittlich 450 Euro.

  1. Ausbildungsjahr: 450 Euro
  2. Ausbildungsjahr: 510 Euro
  3. Ausbildungsjahr: 595 Euro

Die Ausbildung dauert 3 Jahre. Die Einstiegsgehälter betragen im Schnitt 2.100 Euro brutto. Bessere Gehaltsaussichten ergeben sich nach entsprechender Fortbildung für Schornsteinfegermeister.

Raumausstatter – Fachkräfte für schöne Räume

Raumausstatter kümmern sich um die Gestaltung von Wohn- und Geschäftsräumen. Die Ausbildungsdauer umfasst 3 Jahre und die Vergütung beträgt im ersten Ausbildungsjahr nur ungefähr 490 Euro.

  1. Ausbildungsjahr: 480 – 498 Euro
  2. Ausbildungsjahr: 550 – 572 Euro
  3. Ausbildungsjahr: 650 – 672 Euro

 

Raumausstatter verdienen nach Abschluss ihrer Ausbildung im Schnitt 1.800 Euro. Mit zunehmender Berufserfahrung und nach etwaiger Fortbildung zum Meister sind später höhere Gehälter möglich.

Starkes Gefälle zwischen den Berufen

Es wird deutlich, dass zwischen den Berufen eine starke Ungleichheit in Bezug auf die Vergütung herrscht. Tarifverträge sorgen beispielsweise dafür, dass in großen Industriebetrieben vergleichsweise hohe Vergütungen gezahlt werden. Um dieses Ungleichgewicht auszugleichen und die Attraktivität der Ausbildung zu steigern, ist eine einheitliche Mindestvergütung angedacht.

Überarbeitung des BBiG – Mindestlöhne für Ausbildungsvergütungen geplant

Laut dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) strebt die Bundesregierung eine Überarbeitung des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) an (*3). Durch eine einheitliche Mindestvergütung soll ein Mindeststandard gesichert und der Anreiz erhöht werden, eine Ausbildung aufzunehmen. Auszubildende im ersten Ausbildungsjahr sollen demnach zukünftig 550 Euro erhalten. In den Folgejahren soll diese Zahl schrittweise auf 620 Euro erhöht werden.

Insbesondere natürlich die Auszubildenden in den schlecht bezahlten Berufen werden von dieser Mindestvergütung profitieren: nicht nur weil ihre Bezahlung angehoben wird, sondern auch weil die Mindestvergütung für mehr Fairness innerhalb der Berufsgruppen sorgt. Zukünftig wird es keinen Unterschied machen, ob ein Azubi das Friseurhandwerk in den neuen oder in den alten Bundesländern erlernt.

Mindestvergütung ohne Auswirkung auf das Vergütungsgefälle

Dennoch bleibt das Gefälle zwischen den Ausbildungsvergütungen der einzelnen Berufsgruppen auch nach der Einführung der Mindestvergütung bestehen. Auf die jetzt schon hohen Vergütungen in den verschiedenen Berufen wird die Einführung einer Mindestvergütung keine Auswirkungen haben: Das große Gefälle zwischen den einzelnen Ausbildungsberufen verringert sich zwar, bleibt aber als solches vorhanden.

Quellen:

*1 jeweils Datenbank der Ausbildungsvergütungen: https://www.bibb.de/de/12209.php; 21.05.2019

*2 Einstiegsgehälter: https://www.mystipendium.de/berufe; 21.05.2019

*3 Pläne zum Mindestlohn für Ausbildungsvergütungen: https://www.bmbf.de/de/das-berufsbildungsgesetz-bbig-2617.html; 21.05.2019

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